Rezension: Der dunkle Fluss von Chigozie Obioma

Titel: Der dunkle Fluss
Autor: Chigozie Obioma
Seitenanzahl: 313
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN-13: 978-3351035921
Meine Wertung: 5/5













Erster Satz:
„Wir waren Fischer.“
Ein großer Roman über die Schönheit und Abgründe Afrikas Benjamin und seine Brüder leben in der Nähe eines gefährlichen Flusses. Als ihr Vater die Familie verlassen muss, verstoßen sie gegen sein Verbot, sich dem Gewässer zu nähern. Die Fische, die sie dort fangen, sind Vorboten einer Tragödie. Ein faszinierendes Familiendrama und eine sprachmächtige Fabel über das Schicksal Nigerias. Von Afrikas neuem großem Erzähler. "Knisternd vor Lebendigkeit, beladen von Vergänglichkeit, schwindelerregend sowohl im Stil als auch in der elementaren Kraft seiner Geschichte. Nur wenige Romane verdienen das Prädikat 'mythisch' – Chigozie Obiomas 'Der dunkle Fluss' gehört mit Sicherheit dazu. 
Quelle: Amazon

,,Ich möchte, dass ihr Fischer seid, die nach Träumen fischen, die nicht aufgeben, bevor sie nicht den größten Fang gemacht haben. Ich möchte, dass ihr wie Dampfwalzen seid, bedrohlich und unaufhaltsam. '' (S. 42)
Alles begann als ihr Vater nach Yola versetzt wurde. 
Als Benjamins Vater nur noch alle zwei Wochen bei seiner Familie in Akure leben kann, stellt sich das gesamte Familienleben auf den Kopf. Ohne die Bewachung des strengen Vaters, der sich Großes für die Kinder wünscht, entgleiten Benjamin und seine drei älteren Brüder Ikenna, Boja und Obembe immer mehr der Aufsicht ihrer Mutter, denn die muss auch noch auf Benjamins jüngere Geschwister David und Nkem aufpassen. Um sich während des Tages zu beschäftigen, versuchen die Brüder die verschiedensten Aktivitäten, bis sie schließlich das Fischen für sich entdecken. Mit jedem Tag, den sie am Ufer des Omi-Ala verbringen, dem Fluss in Akure, an dessen Ufern es nicht ungefährlich zu geht, kommen sie dem Unglück näher. Eines Tages treffen sie auf Abdulu, der zwar im gesamten Dorf als verrückt gilt, dessen Prophezeiungen sich aber immer bewahrheiten. An diesem Tag prophezeit er auch Benjamin und seinen Brüdern etwas. Etwas, das so schreckliches ist, dass sie es nie für möglich gehalten hätten und das einen Keil zwischen die Brüder treibt, an dem die Familie zu zerbrechen droht.

Ich greife eigentlich recht selten zu so einem Buch, doch bei dieser Geschichte hat mich der Klappentext sofort angesprochen. Die Geschichte hörte sich anders an, als alles, was ich bisher gelesen habe. Doch der Autor konnte mich schnell fesseln und mir Nigeria in all seiner Pracht und kultureller Vielfalt näher bringen. Einerseits habe ich so viel Neues über Nigeria und seine Bewohner erfahren und gelernt, andererseits konnte ich aber auch Parallelen zu dem Leben hier in Deutschland feststellen. Der Autor weiß, wie man Worte einsetzen muss, um den Leser zu fesseln und konnte mich so mit seinem Schreibstil in seinen Bann ziehen. 
Die Geschichte wird aus der Sicht von Benjamin erzählt. Benjamin interessiert sich besonders für Tiere und deswegen vergleicht er seine Mitmenschen immer wieder mit ihnen und überträgt die Eigenschaften und Besonderheiten der Tiere, auf die entsprechende Person. Das macht die Geschichte noch einzigartiger. Was mir allerdings auch aufgefallen ist, ist das Benjamin ziemlich beeinflussbar und abhängig von seinen Brüdern ist. Ständig versucht er ihnen zu gefallen und tut dabei Dinge, die er eigentlich nicht tun möchte. Doch das sieht er auch selbst ein. Benjamin und seine Familie mussten so viel Schreckliches mit ansehen und an eigener Haut erfahren. Die Geschichte konnte mich zutiefst berühren. Sie hat mein Herz gepackt und nicht mehr los gelassen. Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, dass mich so sehr zum Nachdenken gebracht hat, auch wenn mich manche der geschehenen Ereignisse traurig gestimmt oder sogar entsetzt haben. 

Dieses Buch ist der Beweis dafür, dass es sich lohnt auch manchmal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Die Geschichte hat mich berührt und wird mich wohl auch in nächster Zeit erstmal nicht mehr loslassen. Als leichte Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch nicht geeignet, dafür bietet es zu viel Stoff zum Nachdenken. Wer allerdings ein emotionales, berührendes und dramatisches Buch sucht, ist mit ,,Der dunkle Fluss'' sicherlich gut beraten. Mich konnte es überzeugen.
Ich vergebe 5 von 5 Traumtänzerinnen:



Vielen Dank an 
für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplar
Chigozie Obioma, 1986 in Nigeria geboren, studierte Englisch, Literatur und Kreatives Schreiben auf Zypern und an der University of Michigan. Er gewann die Hopwood Awards für »fiction and poetry«, seine Essays erschienen u. a. in Virginia Quarterly Review und Transition. Von seinem Debüt »Der dunkle Fluss« wurden in kürzester Zeit Lizenzen in die USA, nach Australien, Brasilien, Frankreich, Italien und Spanien verkauft.
Quelle: Aufbau Verlag



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