(Rezension) Der kleinste Kuss der Welt von Mathias Malzieu

Titel: Der kleinste Kuss der Welt
Originaltitel:  Le plus petit baiser jamais recensé
Autor: Mathias Malzieu
Verlag: carl's books
Seitenanzahl: 144 (Broschiert)
Erscheinungsdatum: 31. August 2015
Reihe: Einzelband
ISBN-10: 3570585476
ISBN-13: 978-3570585474
Meine Wertung: 4/5









Der kleinste je verzeichnete Kuss.
 Ich hatte den kleinsten Kuss der Welt im Théâtre du Renard verloren. Er war mir mitten in der Nacht beim Tanzen von den Lippen geglitten, als mein Blick auf ein blaues Petticoatkleid mit großen weißen Tupfen fiel. Anmut, Sinnlichkeit und Verlockung. Ein Hauch von Geheimnis. Immer, wenn ich mich ihr nähern wollte, entwischte sie mir. Nach einem getänzelten Slalom stand ich endlich der Frau gegenüber, die mich magnetisierte. Ich brachte kein Wort heraus. Aus Angst, die Flut könnte sie abermals davonspülen, küsste ich sie. Der Anflug eines Kurzschlusses. Wir berührten einander kaum. Der kleinste Kuss der Welt. Ein grelles Licht, und dann nichts. Sie war fort. Als wäre ihr Mund ein magischer Schalter – wenn man ihn umlegt, löst sie sich in Luft auf. Ich hörte sie davongehen, hörte ihre Schritte verklingen. Sie war also gar nicht verschwunden, sie war bloß unsichtbar geworden! Wir hatten einander den kleinsten Kuss der Welt gegeben, und sie hatte sich verflüchtigt, abrupt wie ein Stromausfall. Ich musste sie unbedingt wiederfinden.
Quelle: Amazon


,,Der kleinste Kuss der Welt" ist eine Geschichte von der Liebe und all den Ängsten, Freuden und Gefühlen, die mit ihr einhergehen. Bei einem Tanzabend erspäht der Erfinder eine wunderschöne Frau namens Sobralia, doch als er sich schließlich traut, ihr einen Kuss zu stehlen, verschwindet sie. Sie ist noch da, irgendwo in diesem Raum, doch sie hat sich einfach in Luft aufgelöst. Dieser kleinste je verzeichnete Kuss will dem Erfinder einfach nicht aus dem Kopf gehen und so macht er sich auf die Suche nach der Frau, die unsichtbar wird, wenn man sie küsst. Hilfe bekommt er dabei von dem ungewöhnlichen Privatdetektiv und seinem Papagei Elvis.

Wie kann man jemanden finden oder geschweige denn lieben, wenn man ihn nicht sieht? Die Liebe stellt irrationale Dinge mit uns an und so ist auch der Protagonist fast schon besessen davon, die Frau, die seine Gedanken beherrscht, zu finden. Denn lässt die Liebe uns nicht alle Hindernisse überwinden? Neben der Kraft der Liebe wird aber auch die Angst vor der Liebe thematisiert und stellt einen wichtigen Bestandteil der Geschichte dar, denn sowohl die unsichtbare Sobralia wie auch der melancholische Erfinder haben schon Narben auf ihrem Herzen davongetragen und stehen der Liebe nun mit Misstrauen gegenüber. Vermittelt mit und eingepackt in einem wundervollen poetischen und metaphorischen Schreibstil erschafft Mathias Malzieu so eine skurrile Welt, in der alles möglich zu sein scheint und man manchmal nicht so recht zwischen Realität und Tagtraum unterscheiden kann. Dieser fantastische und fast schon märchenhafte Schreibstil passt dabei perfekt zu dem Plot und den Protagonisten, die alle ganz auf ihre eigene Weise ungewöhnlich und auch ein wenig verschroben sind. Mit gerade mal 144 Seiten war die Geschichte auch schon viel zu schnell zu Ende und mein Vorrat an Poesie und gedruckter Fantasie binnen kürzester Zeit verbraucht.
Trotzdem hat mich das Verhalten der Protagonisten auch - besonders am Ende - irritiert und hat mir nicht immer ganz eingeleuchtet, Ich möchte nicht zu viel verraten, aber während der Erfinder erst so besessen von dem Gedanken war, die unsichtbare Frau zu finden, zweifelt er später an seinen Gefühlen und der Zurechnungsfähigkeit seines bereits angeknacksten Herzens. Das hat mich verwirrt, da er doch davor so davon überzeugt war, Sobralia zu finden und zu lieben, nur um sich danach der Beziehung nicht mehr sicher zu sein. Trotzdem hat die Geschichte auch Wendung bereitgehalten, mit denen ich nicht gerechnet habe und die mich ehrlich überrascht haben.

,,Der kleinste Kuss der Welt" von Mathias Malzieu ist eine wundervolle Geschichte über die Zerbrechlichkeit aber auch die Kraft der Liebe mit einem fantastischen metaphorischen Schreibstil, mit dem der Autor ungewöhnliche Protagonisten und eine skurrile Welt erschaffen hat. Für mich ist das Buch meine Portion Poesie und Fantasie zum in die Tasche stecken und Mitnehmen. Ich vergebe 4 von 5 Traumtänerinnen:

Vielen Dank an carl's books für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.
Mathias Malzieu wurde 1974 geboren und ist Front-Sänger der französischen Band "Dionysos" Die Band wurde 1993 gegründet. Er und drei seiner Schulfreunde sind die Gründungsmitglieder der Band. "La mécanique du cœur", ein Buch von Malzie wird 2007 in Frankreich veröffentlicht. Im Jahr 2009 folgt die Veröffentlichung in England unter dem Namen "The Boy with the Cuckoo-Clock Heart". Im Juni 2012 erschein dieses Buch auch auf deutsch als "Die Mechanik des Herzens". Malzieu ist mit Olivia Ruiz zusammen, welche ebenfalls als Sängerin arbeitet.
Quelle: Lovelybooks

Kommentare:

  1. Hey :)
    Die Geschichte an sich reizt mich irgendwie nicht besonders. Aber die Covergestaltung ist so zauberhaft, dass ich glatt darüber nachdenke, das Buch nur deswegen zu kaufen *_*
    Allgemein sind die Bücher von Mathias Malzieu immer so traufhaft gestaltet :)

    Liebe Grüße :)

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    1. Hallo :)
      Ja das stimmt, durch das wunderschöne Cover bin ich auch erst auf das Buch aufmerksam geworden.
      Liebste Grüße
      Lena ♥

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:) :( :? -.- :-/ :-* :-O X( :7 :'( ~X( ♥.♥

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